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Lyrik

 

 

Schweigegelübde

Redsam will ich schweigen.
Keiner wird mein Schweigen hören.
Und niemals soll das Weltentreiben
Mich in meinem Schweigen stören.

 

 

 

 

 

 

ANKUNFT

 

Irgendwann bricht herein die Zeit

Für jeden Menschen,

Da er sich endlos wähnt verlassen

Auf weiter Erd,

Vom fernen Himmel.

Wir stehen in einsamer Furchtsamkeit

Und fühlen, das Letzte

Entgleitet unseren Händen.

 

 

So also sieht er aus,

Der letzte Blick;

So also zerbricht das Herz

Der letzte Schlag;

So also verläuft er,

Der letzte Weg;

So also schmeckt der letzte Kuß.

 

 

Irgendwann lahmt der Flügel

Des stärksten Adlers,

Verdorren wird in Wehmut,

Einst geflocht´ner Lorbeerkranz.

Aus den geschlagenen Wunden,

Quillt träggeword´nes Blut,

Das statt sprudeln Purpurrot,

Giftig zähe tropft.

 

 

So also erlischt, stille,

Der letzte Funke;

So also wispert matt,

Der letzte Klang;

So also entschlüpft dem Fleische

Sein letztes Fluchen;

So also haucht die flücht´ge Seele

Ihr letztes Wort:

Vergebens.

 

 

NARRENGESANG


Eingesang

Niemand!

Niemand! Niemand kennt…
——
Niemand! Niemand kennt
Mein wahres Gesicht…
Bin mir selbst doch fremd

 

 

Hauptgesang

Niemand! Niemand kennt
Mein wahres Gesicht,
Bin mir selbst doch fremd,
Bin da und auch nicht.
Ähnlich dem stillen Ozeanenmeer,
Ist mein Erscheinen äüßerlich, nämlich -
leer, weich, in toller Ausgelassenheit
Wellenmund säuselt schäumend ganz oben.
Weit aber im entleg´nen tiefen Grund
Toben Stürme, Ungetiere wüten,
Hauen, Stechen; Gepanzerte Wächter
Hüten Verborg´nes mit derben Klauen.

 

Als mir zum sechzehnten Male der Frühlingswind die Schopfeslocken wehen ließ,
 
Zerrte, peitschte mich aus kindischer Sorglosigkeit, das Wort, so furchtsam süß: Tod.
 
Erschrocken schwebte meine Seel´ in das Nichts, wurde flügge, entrann dem Verließ,
 
Seit dem triumphiert, schmachtet sie, lahmt, ist vogelfrei, glitzert und wälzt sich im Kot.
 
Ich lache meiner Eitelkeit, höhne allem Wissen und will raufen, streiten,
 
Viele Leben spielen, kein Einer sein, um zu frönen tausend Möglichkeiten.


Bin kein Mann, keine Frau,
Denk weder dumm noch schlau,
War nicht jung, werd nicht alt,
Mir ist nie heiß, nie kalt.
Niemals zerbricht
Mein gefroren
Heitres Gesicht.
Irr verloren
Zurück und vor.
Ungeboren
Leb´ ewiglich,
Sterbe täglich
Als Narr und Tor.

Für Liz

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Mein Freund, laß alle Hoffnung fahren!
Gewiß, du hast gekämpft und dich bemüht,
Allein, du solltest letztlich doch erfahren,
 Daß dein sämtlich Wollen, Tun nie hat genügt.
Denn hat erstmal das Schicksal
 Eisenfest sich gegen dich verschworen,
Bleibst du einsam Gefangener im Tränental
Und bist für dieses Leben ganz verloren.
Mein Freund, jetzt sträube dich nicht mehr,
Träumst umsonst, das Blatt könnt’ sich noch wenden,
Laß ab von blendenden Trug, von selbstgespon´ner Mär.
Mein Freund, irgendwann muß auch das Hoffen enden.


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Mir kommt es vor wie eine Ewigkeit,

Daß wir beide uns schon kennen.

Und mir scheint es keine Kleinigkeit,

Wenn Du und ich einander Freunde nennen.


Doch ab und an in meinem Hirne flattern graue Raben,

Aufgestiegen aus verborgenen, schmutzigen Seelengossen,

Künden krächzend: Nie wird jemand tief sich in dich graben.

Dein Herz, Dein Herz ist viel zu fest verschlossen.


Dann bricht schwere Wehmut in mich ein,

Weil ich gut verstehe ihrer Worte Sinn.

Ich hoffe nur, Du magst es mir verzeihen

Und kannst ertragen, wie ich bin.



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